Ein Tor in andere Welten
Sobald man den Ausstellungsraum betritt, findet man sich an einem anderen Ort wieder.
Ein Ort, der nicht mehr ganz in Venedig liegt.
Die Atmosphäre ist ruhig. Sogar geheimnisvoll, nur untermalt von den leisen Klängen von Vivaldi, die aus der angrenzenden Kirche herüberdringen.
Vor einem stehen farbenfrohe Kunstwerke. Jedes erzählt seine eigene Geschichte. Jedes steht für eine Lebensphase, in der wir uns jetzt oder in Zukunft wiederfinden können.
Die Stufen des Lebens
Wallace Chan, der in einem kolonialisierten Hongkong aufwuchs, verbindet auf einzigartige Weise buddhistische und christliche Glaubensvorstellungen. In seinen Werken stellt er den Kreislauf des Lebens dar und vereint dabei universelle Sichtweisen mit seinen eigenen Erfahrungen.
All dies erweckt er mit seinem Markenzeichen, dem Material Titan, zum Leben – einem unglaublich leichten Metall, das durch präzise Einwirkung von Hitze und Wasser verschiedene Farben annehmen kann. Dies verleiht seinen Skulpturen ihr lebhaftes Aussehen.
Geburt
Bereits im ersten Objekt kann man die Essenz des Künstlers erkennen – im berühmten „Wallace Cut“. Ein Gesicht, umgeben von Spiegeln. Jedes Detail wird offenbart.
Doch das ist nicht das einzige Detail, das man beobachten kann. Bei genauerem Hinsehen erkennt man Gesichter und Knochen, die die Struktur des Objekts bilden.
All dies steht für den Beginn unseres Daseins.
Wachstum
Als Nächstes sieht man eine Skulptur, die in Rosa schimmert.
In Shanghai könnte man diese Struktur als immersives Erlebnis erkunden.
Beim Betreten durch ein kopfartiges Portal sieht man Fläschchen, gefüllt mit Parfüms und Ölen. Der Rest des Raums, ist mit Spiegeln verkleidet, was den Besucher in einen Zustand der Meditation und Selbsterkenntnis versetzen soll.
Wiedergeburt
Das letzte Kunstwerk, das beeindruckendste, symbolisiert nicht nur das Ende unseres Lebenszyklus, sondern steht auch für das, was danach geschehen könnte.
Um das Kunstwerk herum sieht man Ziffern, die auseinanderfallen, während sich unser Verhältnis zur Zeit wandelt, sowie verschiedene Tierarten, die sowohl den Tod als auch die Wiedergeburt verkörpern. Dasselbe gilt für die Lotusblume, die ebenfalls ein Symbol für Meditation ist und deren Blütenblätter die Umrisse von Gesichtern bilden.
Von einem Ort zum anderen
Am Ende der Ausstellung gibt es drei Bildschirme, die einen Live-Stream zum Long Museum West Bund in Shanghai zeigen; dort hat Wallace Chan die Kunstwerke mehrere Meter hoch aufgebaut. In der Ausstellung in Shanghai findet man ebenfalls Bildschirme, die den italienischen Ausstellungsraum zeigen, wodurch eine perfekte Verbindung über Kontinente hinweg entsteht.
Wer noch mehr von Wallace Chan sehen möchten, sollten unbedingt den Palazzo Contarini del Bovolo besuchen; dort befinden sich weitere Werke des Künstlers.
Der letzte Tag der Ausstellung ist der 18.10.2026, dennoch freuen wir uns darauf, Wallace Chan so bald wie möglich für ein weiteres Kunsterlebnis wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
